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Über kaum ein anderes Tier gehen die Meinungen so weit
auseinander wie über die Taube.
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Hobbyzüchter betrachten sie als ihren engsten Sportsfreund, Taubengegner hingegen bekämpfen die
"Ratten der Lüfte". Das Verhältnis von Mensch und Taube war stets von Gegensätzen geprägt:
Während die einen dem gefiederten Boten überlebenswichtige Nachrichten anvertrauten, landeten die
Tiere bei anderen auf dem Teller. In einem sind sich aber alle einig: Über Kulturgrenzen hinweg gelten
Tauben auch als Symbol für Liebe und Frieden.
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Noahs Kundschafter
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"Bau eine Arche", befiehlt Gott im Alten Testament dem
Familienvater Noah. Denn der Herr hat beschlossen, die
Menschen wegen ihrer Boshaftigkeit mit einer Sintflut zu
vernichten und nur Noah und seine Familie zu schonen.
Noah baut die Arche und nimmt von allen Tieren ein Pärchen
mit an Bord. Dann brechen die Wassermassen über das
Holzschiff herein. Nachdem die Flut alles Leben außerhalb der
Arche vernichtet hat, lässt Gott das Wasser langsam wieder
sinken. Da wählt Noah eines der Tiere an Bord aus, um es als
Kundschafter auszusenden. Es ist eine Taube, die er durch
das einzige Fenster der Arche hinausfliegen lässt.
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Unverrichteter Dinge kehrt sie beim ersten Flug zurück.
Beim zweiten aber bringt sie einen Ölzweig in ihrem
Schnabel mit – und Noah schöpft Hoffnung.
Vom dritten Flug schließlich kehrt die Taube nicht zurück.
"Sie hat Land gefunden", jubelt Noah – und er lässt
Menschen und Tiere von Bord, um die Erde erneut zu
bevölkern. Seither steht die Taube symbolisch für die
Versöhnung zwischen Gott und den Menschen.
Doch nicht nur in der Geschichte von der Sintflut kommt
sie im Buch der Bücher vor. Eine weitere – für die Taube
eher unschöne Rolle – hat sie als Opfertier im Tempel.
Früher galten Tauben nämlich als kultisch rein.
Zu höchster symbolischer Bedeutung gelangt die Taube
im Neuen Testament: als Symbol für den Heiligen Geist.
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Kämpferisches Friedenssymbol
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Dass sich Pablo Picasso von Noahs Geschichte inspirieren ließ, als er das Plakat für den Pariser
Weltfriedenskongress im Jahr 1949 entwarf, muss wohl unter der Rubrik Legenden verbucht werden.
In Wirklichkeit soll der Aufstieg der Taube zum weltweiten Friedenssymbol ein Zufall gewesen sein:
Der französische Schriftsteller Louis Aragon suchte ein Motiv für diesen ersten Kongress der
Weltfriedensbewegung und wandte sich an seinen spanischen Freund Pablo Picasso.
Er blätterte dessen Grafiken durch – und entschied sich für die weiße Taube, die dadurch zu so großer
Berühmtheit gelangte.
So große Pläne hatte Picasso mit dieser Arbeit wohl gar nicht gehabt. Er hatte einfach eine der beiden
weißen Tauben auf Papier gebracht, die als Geschenk des Malers Henri Matisse in einem Käfig in seinem
Atelier lebten. Die Taube ist seither das Flaggtier der Friedensbewegung. Und das, obwohl die Tiere sich
dieser Auszeichnung nur bedingt würdig erweisen.
Untereinander gehen sie nämlich häufig aggressiv aufeinander los. Eine Straßentaube wird schätzungsweise in 2000 Kämpfe pro Jahr verwickelt. Ihre ersten großen Auftritte hatte die Taube schon
lange vor christlicher Zeit als Liebessymbol an der Seite von Göttinnen wie Venus und Aphrodite.
Das kann kaum verwundern, wenn man sich das Balzverhalten der Tauben anschaut:
Sie turteln wie Frischverliebte. Zudem leben Tauben meist ein Leben lang monogam – Seitensprünge sind
allerdings nicht ausgeschlossen.
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Schnellflieger im Postdienst
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Wer beim Thema Tauben nur an die
gemeine Stadttaube denkt, hat weit
gefehlt:
Es gibt mehr als 300 verschiedene
Arten, rund 500 Millionen Exemplare
leben fast auf der ganzen Welt verteilt.
Die gemeinsame Geschichte von Taube
und Mensch beginnt vor etwa 5000
Jahren. Zu dieser Zeit lebte die Taube
in Felsen an den Küsten des
Atlantischen und Pazifischen Ozeans.
Doch dann fingen Menschen an, dort
Häuser zu bauen und Getreide an-
zupflanzen – und die Felsentauben,
angelockt von diesem körnigen
Festmahl, suchten die Nähe des
Menschen. |
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Die Sumerer hielten die Tauben als Fleischlieferanten und Lockvögel, um Greifvögel zu fangen. Die alten Ägypter schätzten die Tauben vor allem wegen ihrer Exkremente, denn Taubenkot eignet sich gut zum
Düngen. Die Römer hielten die Tiere in riesigen Taubenschlägen – um sie als Delikatessen zu verspeisen.
Bald schon erkannte man auch die Qualität der Vögel als gefiederter Bote. Denn Tauben sind zum einen
schnell – sie erreichen bis zu 160 Kilometer pro Stunde. Zum anderen haben sie eine hervorragende
Orientierung und einen starken Trieb, in ihren Heimatschlag zurückzukehren. Die Araber waren im neunten
Jahrhundert die ersten, die auf die Idee kamen, diese Fähigkeit der Tauben im großen Stil zu nutzen.
Sie richteten eine professionelle Taubenpost ein, indem sie in allen Städten, die an das Postnetz
angeschlossen werden sollten, große Schläge aufbauten. Während der Kreuzzüge konnten sich die
arabischen Heere so auf ein gut funktionierendes Nachrichtensystem verlassen.
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Ausgestopfter Kriegsheld
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Gut tausend Jahre später gelangt eine Brieftaube zu großer Berühmtheit: Es ist der 4. Oktober 1918, in den
letzten Tagen des Ersten Weltkrieges. Der amerikanische Major Charles Whittlesey und etwa 500 seiner
Männer werden in der Nähe der französischen Stadt Verdun hinter den feindlichen Linien eingeschlossen.
An einem Tag sterben 300 Mann. Die amerikanische Artillerie nimmt die Deutschen unter Beschuss – doch
weiß niemand genau, wo Whittlesey und seine verbliebenen Männer sich befinden. So werden sie von ihren
eigenen Leute beschossen. Major Whittlesey bleibt noch eine letzte Hoffnung: die Brieftaube "Cher ami", zu
deutsch "Lieber Freund".
Tausende solcher Tauben wurden im Ersten Weltkrieg auf allen Seiten an der Front eingesetzt, doch keine
hat so von sich reden gemacht wie "Cher ami". Denn die kleine Taube wird an diesem 4. Oktober auf ihrem
Flug schwer verletzt. Eine Kugel trifft sie an der Brust, eine weitere verletzt ihr Bein.
Trotzdem schafft "Cher ami" den Weg ins amerikanische Lager – 25 Kilometer fliegt sie in nur 25 Minuten.
Der Soldat, der sie entdeckt, findet an ihrem Bein Whittleseys Nachricht: "Our own artillery is dropping a
barrage directly on us. For heaven's sake, stop it." ("Unsere eigene Artillerie hat uns unter Beschuss.
Um Himmels Willen, hört damit auf!") 194 Soldaten rettet "Cher ami" so das Leben. Von den Franzosen
erhält die Brieftaube dafür den Militärorden "Croix de Guerre". Und als "Cher ami" ein Jahr später ihren
Verletzungen erliegt, wird sie ausgestopft und kann bis heute im Nationalmuseum für amerikanische
Geschichte in Washington bewundert werden.
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Bester Freund, größter Feind
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Viele Menschen lieben die gefiederten Tiere. Seien es diejenigen, die ihnen auf Plätzen und in Parks Futter
hinstreuen. Oder diejenigen, die sich dem Taubensport verschrieben haben. Rund 40.000 Menschen gehen
allein in Deutschland diesem Hobby nach. Taubengegner beklagen auf der anderen Seite die Taubenplage
in den Städten. Als "Ratten der Lüfte" werden die Tiere beschimpft, weil die Menschen sich ärgern über
Taubenkot und Lärmbelästigung.
Doch was sie auch tun, ob sie Drahtstacheln aufstellen oder Rattengift ausstreuen, den Taubenbeständen
können sie auf Dauer nichts anhaben. Bis zu zehn Mal im Jahr vermehren sich Tauben.
Nach 18 Tagen schlüpfen die in der Regel ein bis zwei Jungen. Bereits mit vier Wochen lernen sie fliegen,
nach sechs Monaten können sie sich fortpflanzen. Die Tauben leben von den Resten unserer
Wohlstandsgesellschaft, bauen Nester in den Drahtstacheln und vermehren sich weiter rasend schnell.
5000 Jahre Zusammenleben mit dem Menschen haben sie gelehrt, sich optimal anzupassen.
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Tierische Orientierung
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Tierische Flieger
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Tauben sind wahre Orientierungskünstler.
Auch über Entfernungen von über 1000 Kilometern
finden sie stets den Weg in den Heimatschlag.
Auf diesen Seiten erfahren Sie mehr über die Tricks,
mit deren Hilfe Tiere sich zurechtfinden.
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Wie gemacht fürs Fliegen sind Tauben.
Doch natürlich gibt es weitaus mehr Tiere, die sich
in der Luft elegant und schnell fortbewegen.
Welche das sind und wie sie das anstellen,
erfahren Sie auf diesen Seiten.
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